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Mennonitengemeinde Weierhof
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Auf den Spuren Mahatma Gandhis...

Begegnungsabend mit Arun Gandhi am 7. Mai in der Aula des Gymnasiums Weierhof

Nur eine Kultur der Gewaltlosigkeit kann etwas ändern!

Dr. Arun Gandhi auf Europatour

„Let us feed the right tigers, not the wrong!“ (lassen Sie uns die richtigen, nicht die falschen Tiger füttern), forderte Dr. Arun Ghandi in seinem überaus sympathischen und nachdenklich machenden Vortrag rund 200 Zuhörer in der Aula des Gymnasiums Weierhof auf. In seinem Abendvortrag, der simultan vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurde (Marie Weber/Barby Driedger) gelang es Dr. Gandhi schnell, seine Zuhörer zu erreichen. Die Kultur der Gewaltlosigkeit ist sein großes persönliches Anliegen. Er will aufzeigen, was diese im Gegensatz zu einer Kultur der Gewalt, in der wir leben, bedeutet, wie sie funktioniert und welche Macht sie entfalten kann – und warum sie so dringend notwendig ist.

Am 7. Mai besuchte Dr. Gandhi als eine der ersten Stationen seiner dreiwöchigen Vortragsreise, die ihn im Mai 2009 durch Deutschland und nach Holland führt, die Pfalz. Mit seinen Begleitern* hat der – mittlerweile 75-jährige – Enkel Mahatma Gandhis, der lange Jahre in Südafrika, dann in Indien und seit 1987 in Rochester/New York/USA wohnt, sich ein anstrengendes Reise- und Vortragsprogramm vorgenommen, das aber beim Publikum sehr unangestrengt und  souverän „rüber“kommt. Unter anderem wirbt Dr. Gandhi um Spenden für ein von ihm gegründetes Bildungswerk**, das nicht nur Kindern, sondern gesamten Familien und Dörfern helfen will, der Armut zu entkommen.

Gewaltlosigkeit ist Abwesenheit von offener und verdeckter Gewalt

Gewaltlosigkeit geschieht nicht nur durch die Vermeidung „offener“, „physischer“ Gewalt (‚physical violence’), wie sie im Krieg, Mord oder Totschlag, bei einer Prügelei oder Vergewaltigung zu Tage tritt, sondern auch durch Vermeidung der viel subtiler und schwieriger zu identifizierenden „verdeckten“, „passiven Gewalt“. Letztere geschieht bewusst oder unbewusst. Wie beide Gewaltformen miteinander zusammen hängen, das lernt Gandhi im Alter von zwölf bisvierzehn Jahren am Beispiel eines ihm schon zu kurz erscheinenden Bleistifts, den auf dem Heimweg von der Schuleweg wirft. Sein Großvater, der ihn in dieser Zeit erzieht, schickt ihn bei Nacht wieder mit der Taschenlampe hinaus, den Bleistift zu suchen und er erklärt ihm, dass selbst für die Herstellung eines kleines Bleistifts eine Menge natürlicher Ressourcen der Welt benötigt werden. Diesen wegzuwerfen, das sei Gewalt gegen die Natur. Folge der Wohlstandsgesellschaft, die die Ressourcen der Welt übernutzt, sei die Armut anderer. Das sei Gewalt gegen Menschen und die löse Aggressionen aus, die in physische Gewalt umschlage.

Ehrlich erklären und überzeugen

Gandhi vermittelt seine Botschaft, indem er eine Beziehung zu den Zuhörern herstellt, es lebhaft und in Beispielen, langsam und wiederholend, in verständlicher Sprache und mit einem feinen Humor erläutert. Das Prinzip mit dem  er arbeitet, ist genau das Prinzip der Gewaltlosigkeit: Beziehungen herstellen, erklären, analysieren, versuchen zu verstehen.

Nach der Frage eines Zuhörers, der wissen wollte, was man gegen gewaltbereite Jugendliche und die nationalsozialistischer Gesinnung, die sie sich, wie man derzeit in der Vorbereitung auf die Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz sehe, immer weiter ausbreite, unternehmen könne, setzte Dr. Gandhi seinen Vortrag mit folgender Geschichte fort:

Der böse und der gute Tiger

„In der indischen Tradition gibt es eine Geschichte, in der ein Großvater seinem Enkel folgendes erzählt:

Es sind immer zwei Tiger in unserem Kopf (‚in our minds’). Ein Tiger steht für das Böse, der andere Tiger für das Gute.

Der Enkel fragt den Großvater: Und welcher Tiger siegt? Die Antwort des Großvaters ist: Der Tiger, den du mit Nahrung versorgst, der wird gewinnen!“

Das sei, was heute passiere, so Dr. Gandhi: „Wir alle, bewusst oder unbewusst, füttern den bösen Tiger, deswegen beherrscht uns das Böse.“ Jeder von uns sei in der Lage Gutes und Schlechtes zu tun. Das führe auch zu dem Widerspruch, dass gute Menschen Böses und schlechte Menschen Gutes tun könnten.

Die Länder der Welt in „gut“ und „böse“ aufzuteilen, alle schlechten Menschen vernichten zu wollen und zu hoffen, damit eine gute Welt zu schaffen, wie Ex-Präsident George W. Bush es tat, sei falsch. „Nach diesem Prinzip müssten wir die ganze Menschheit auslöschen“, so Gandhi.

Auf dem Boden von Gewalt wächst wieder Gewalt

Wir leben in einer Kultur der Gewalt, (‚we are consumed by’), sie dominiert vollständig unsere Beziehungen, Einstellungen.Jetzt stehen wir (‚we are facing’) vor dem Problem des Terrorismus und beobachten (‚we are widnessing’) immer wieder neuen Formen der Gewalt, so Gandhi. Das sei der Beginn der Transformation einer Kultur der Gewalt zu etwas noch viel Üblerem als heute. Nach Gandhi „ist es ein Weckruf für uns, innezuhalten (‚to stop’) und herauszufinden, was falsch läuft und was wir benötigen, um es zu ändern und um wieder Zivilisation zurück in unsere Leben (‚in our lifes’) zu bringen.“

Es sei falsch zu glauben, dass Menschen sich von jetzt auf einmal entschlössen Terroristen zu werden und das World Trade Center zu zerstören. Es sei auch falsch zu glauben, dass einige junge Leute in Deutschland morgens aufwachen und plötzlich Nazis seien, die rassistische Vorurteile hegten und Gewalt anwendeten.

 „Alles was wir gegenwärtig beobachten und erfahren, ist das Ergebnis der Kultur der Gewalt, die wir seit Generationen und Jahren praktizieren. Lassen Sie uns damit aufhören! Es wird uns später selbst vernichten – wir müssen es jetzt ersetzen durch eine Kultur der Gewaltlosigkeit!“

Liebe und Respekt erzeugen Gewaltlosigkeit

Mit einem weiteren Beispiel, das Dr. Gandhi aus seinem Leben erzählt, wird deutlich: Durch Liebe und Respekt gelingt es, die Kultur der Gewalt in eine Kultur der Gewaltlosigkeit umzuformen.

Auf dem Schiff in Bombay, mit dem 1968 ein indischer Freund aus Südafrika eintrifft, begegnet ihm ein erfolgreicher südafrikanischer Parlamentarier, der als strenger Rassist und für sein Eintreten für die Politik der Apartheit bekannt ist. Die erste Reaktion Gandhis, der zweiundzwanzig Jahre in Südafrika gelebt hat, aber nach seiner Heirat mit seiner indischen Frau nicht mehr in Südafrika einreisen darf, ist, statt dem Politiker die Hand zu schütteln, ihm zu raten in ins Meer zu springen (‚to jump into the ocean’). Aber er unterlässt es, gibt ihm die Hand, lädt ihn ein, zeigt ihm und seiner Gattin drei Tage lang Bombay. Am Ende verabschieden sich die Gäste mit Tränen in den Augen. „Wir verfolgten seine politische Karriere“, berichtet Gandhi: „Er hatte sich wirklich verändert, wurde aus der Partei hinausgeworfen, hat seine Freunde und die Wahlen verloren.“

„Wenn ich so reagiert hätte, wie ich es zuerst vorhatte, hätte ich diesen Menschen geändert?“ fragt Gandhi.

„Dadurch dass ich sein Freund wurde, mit ihm redete und ihm die schlechte Seite der Apartheit aufzeigte, war ich in der Lage einen Menschen zu ändern, der in seiner Vergangenheit ein strenger Rassist war. Das ist die Macht der Kultur der Gewaltlosigkeit. Wir können Menschen verändern durch Liebe, Verständnis und Respekt!“

Der erste Schritt, viele kleine Dinge

In vielen weiteren Fragen und Antworten, stellte sich Dr. Arun Gandhi als eine erfahrene und umsichtige Persönlichkeit von großer Ausstrahlungskraft und innerer Größe dar. Er setzt seine ganze Hoffnung in die Kultur der Gewaltlosigkeit.Für ihn ist eine friedfertige Welt keine Utopie, wenn er auch nicht glaubt, dass die Welt vollständig gerettet werden kann. „Wer hat vor zwanzig Jahren geglaubt, dass wir heute alle Handys haben und überall damit telefonieren können?“  hält er den Skeptikern entgegen. Der erste Schritt müsse getan werden, dem viele weitere folgen müssten.„And it needs a lot of People!“ (‘es benötigt viele Menschen’) schloss Gandhi.

Das Arun und Sunanda Gandhi Bildungswerk gemeinnützige UG (iG) wurde 2009 in Deutschland gegründet um Projekte in Indien zu fördern und die Verbreitung der Lehre Mahatma Gandhis zu fördern.

S. Hege-B.

 

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