



Als Gemeinde beschließen wir uns einen längeren
Zeitraum mit einem Thema zu beschäftigen.
Ein Jahresthema kann in all seiner Vielfalt in verschiedenen
Aktivitäten der Gemeinde aufgegriffen werden.
Regelmäßig sind wir bei Veranstaltungen der Gemeinde auf unterschiedlichste Art auf „die Herberge“ gestoßen. Wir formulieren unser Thema: "Gemeinde als Herberge" und machen uns auf den Weg.
In der Vorbereitungsphase der Gemeindefreizeit
2007 lernen wir die Bücher des niederländischen Theologen und
Soziologen Jan Hendriks kennen. Wir erfahren, dass unser Jahresthema
mehr ist als eine reine theoretische Auseinandersetzung, sondern
auch ein Gemeindeaufbaukonzept. Das spricht uns an in unserer
Gemeindesituation. Hendriks’ Konzept einer „gastfreien“ Gemeinde ist
im Jahr 2000 in den Niederlanden entstanden. Mittlerweile hat sich
daraus eine lebhafte internationale Bewegung quer durch alle
christlichen Glaubensrichtungen entwickelt. Es ist eine Vision, die
erreichbar ist, keine weitere Aufgabe, sondern ein Lebensstil. Die
Gemeinde ist ein Haus am Weg der Menschen. Gemeindesein der
Gegenwart ist die Frage nach den Bedürfnissen der Menschen. Wir
schauen weg von den eigenen Problemen und dem, was uns sorgenvoll in
die Zukunft sehen lässt. Mit den Worten von Jan Hendriks: „ersetze
die besorgte, selbstbezogene Frage „Wie überleben wir?“ durch „Was
können wir als kleine und weiter schrumpfende Gemeinde für die
Menschen in der Welt um uns bedeuten?“ Das Konzept der
gastfreundliche Gemeinde nimmt ‘die Sache‘, d.h. Wesen und Auftrag
der Gemeinde und ‘den Menschen‘ gleichermaßen ernst.
Sie verbindet Tradition und Offenheit miteinander und dieser Ansatz
passt zu unseren Vorstellungen.
Ein Logo wird entwickelt, das unseren Weg
begleiten soll: eine offene Tür, einladend und mit dem Blick nach
draußen.
Wir laden in diesem Jahr zu unterschiedlichen Veranstaltungen im Rahmen des Jahresthemas ein:
· Bei der Gemeindeversammlung im Frühjahr 2007 starten wir mit einer Andacht, die dem Jahresthema gewidmet ist.
· Während der Gemeindefreizeit wird das Gemeindeaufbaukonzeptes Jan Hendriks vorgestellt. Wir erleben ein Wochenende, das uns als Gemeinde ins Gespräch bringt. Dort wird auch die Idee geboren: eine neue Öffnung nach außen zu wagen.
· Von Mai bis September bieten wir ein Straßencafé an, das zur geschätzten Begegnungsstätte für Alt und Jung wird und in dem die Rollen von Gast und Gastgeber fließend sind. Dieses Café wird weiterhin in den Sommermonaten fortgesetzt.
· Wir laden zu einem Bankett, an dem hauptsächlich Gäste aus der eigenen Gemeinde vertreten sind. Denn zunächst einmal muss man sich in den eigenen „vier Wänden“ wohlfühlen, bevor man sich für andere öffnet. Gabriele Wedekind, ev. Pfarrerin aus Hamm-Pelkum, referiert über Grundgedanken zum Gemeindeaufbaukonzept Jan Hendriks in ihrer Gemeinde und dessen praktischer Umsetzung. Es ist wertvoll, Erfahrungen aus der Praxis zu hören und eine Antwort auf diese Frage zu erhalten:
Haben
wir als „zielorientierte“ Gemeinde größere Chancen als eine
„Feld-Wald-Wiesen-Gemeinde“ dem Trend der Schrumpfung
entgegenzuwirken? Diese Frage kann bejaht werden, denn Gast und
Gastgeber sind auf gleicher Augenhöhe. Nur wer selbst Gast war und
ist, kann als Gastgeber wirken. Die Gemeinde soll Raum und Zeit
schaffen für ihre Gäste. Wir können nichts erzwingen, aber
vertrauen, dass Gottes Geist wirkt. Eine wichtige Erkenntnis zeigt
sich auch darin: Gastfreundlich zu sein ist keine Zusatzkompetenz,
sondern eine Grundhaltung.
Viele Aktivitäten unserer Gemeindearbeit spiegeln bereits die Öffnung nach außen, wir begrüßen dies als Gemeinde.
· In jedem Jahr findet eine Kinderbibelwoche statt. Viele Kinder und Mitarbeiter aus nah und fern finden dann eine Herberge bei uns.
· Auf unserem Straßenfest, das inzwischen eine feste Institution in unserem Dorfleben ist, wird zum ökumenischen Gottesdienst mit dem Thema "Gemeinde als Hernberge" eingeladen.
· Regelmäßig erscheinen im Gemeindebrief Beiträge zum Jahresthema:
Wo bin ich Gast gewesen?
Wo habe ich die Erfahrung von Gemeinde als Herberge gemacht?
Wie stelle ich mir eine gastfreundliche Gemeinde vor?
· Senioren laden ein:
Weierhof Herberge, Erfahrungsberichte von der
Nachkriegszeit; Auf der Suche nach einer neuen Heimat.
·
Eine Predigtreihe zum Thema Herberge beleuchtet
verschiedene Facetten und Themen:
Engel beherbergen und andere Überraschungen
Wechselnde Rollen: Gast und Gastgeberin
Teilen in der Herberge
Jede Herberge braucht ein Team
Nach Hause kommen - bei mir selbst zuhause sein
Ich bin ein Gast auf Erden
·
Im November bieten wir eine Auswertung des Prozesses
an. Während eines Gemeindegespräches
stellen wir fest, dass dieses Thema uns als Gemeinde betrifft, denn
es passt zu unserer aktuellen
Situation und dem Wunsch nach Veränderung. Wir werden uns weiter mit
dem Gemeindeaufbaukonzept auseinandersetzen.
Eine wichtige Erkenntnis in diesem Jahr ist die Erfahrung, dass der
Weg das Ziel ist und jeder kleine Beitrag ein Baustein an Gottes
Reich.
Wir möchten zudem unsere Öffentlichkeitsarbeit verbessern.
Das bedeutet auch, Talente zu entdecken und zu fördern, natürlich
muss man dabei aber „nicht alles können“.
Die Neubesetzung der Pastorenstelle steht unter
dem Motto:
„offene und einladende Gemeinde für alle interessierten Menschen zu
sein“.
Dieser Grundgedanke trägt uns beim Bewerbungsverfahren für die
Neubesetzung der Pastorenstelle.
Zusammen wollen wir:
Herberge sein, Freud und Leid miteinander teilen und gemeinsame Wege
des Friedens gehen.
Dies ist zugleich unsere Zukunftsvision, aus der heraus wir
gemeinsam arbeiten wollen.
Sigrid Neff