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Mennonitengemeinde Weierhof
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Mennonitische Weltkonferenz 14. - 19. Juli 2009, Asunción, Paraguay

 

„Miteinander unterwegs auf dem Weg Jesu Christi“ war das Thema der 15. Vollversammlung der Mennonitischen Weltkonferenz, die vom 14. bis 19. Juli 2009 in Asunción, Paraguay stattfand. Davor und danach bestand im Rahmen der „verstreuten Konferenz“  die Möglichkeit, in kleinen Gruppen Gemeinden in Lateinamerika und der Karibik zu besuchen. Eingeladen hatten acht von insgesamt 21 mennonitischen Gemeindeverbänden aus Paraguay, drei deutsch-, zwei spanischsprachige und drei indigene, und diese Zusammenarbeit  allein war schon ein großer Schritt auf dem Weg zur Einheit der Mennoniten.  Gekommen waren ca.  5.800 Teilnehmende aus aller Welt, davon gut 3.000 aus Paraguay selbst. (Genauere Angaben sowie viele Fotos und Infos findet Ihr unter www.mwc-cmm.org).

Die Vollversammlung fand statt in einem für mindestens 10.000 Menschen ausgelegten Gemeindezentrum der Centro Familiar de Adoración Gemeinde, das wir einweihen durften, und das in vielen Teilen noch ein Rohbau war.  In einem wahren Kraftakt hatten die Organisierenden in der Woche vor Beginn der MWK dafür gesorgt, dass nicht nur der große Versammlungsraum Teppichboden, Bestuhlung  und Strom bekam, sondern auch die Außenanlagen, wo z.B. die Zelte des Weltgemeinschaftsdorfes standen,  durch Kiesaufschüttungen begehbar wurden. In der Nacht vor dem Eröffnungsgottesdienst wurden noch Rollrasen verlegt und Pflanzkübel aufgestellt , aber dann konnte es losgehen, und aufgrund der guten Vorbereitung,  vieler freundlicher Freiwilliger, einem guten Schuss Improvisation und vieler kleiner und großer Wunder  klappte alles bestens, inklusive der Speisung der knapp 6.000 Menschen in der Tiefgarage des Gebäudes. Bei anfänglich nur 16°C Außentemperatur (von Tag zu Tag wurde es wärmer und sonniger) und gefühlten Minusgraden im Gebäude selber schniefte und hustete so mancher, aber dank  der Verteilung von Mundschutzmasken und „Desinfektionsschleusen“  und Gottes Bewahrung blieb der gefürchtete Ausbruch der Schweinegrippe  ebenso aus wie Unfälle und schwere Erkrankungen.
 


 

„Gemeinsam“ und „unterwegs“ sind  zwei Begriffe, die unser Erleben der mennonitischen Weltkonferenz sehr gut wiedergeben.

Unterwegs waren wir z.B. jeden Tag ganz wörtlich von unseren Hotels in der Stadtmitte  zum Konferenzgelände. Jeden Morgen warteten drei wunderbar bunte, seit mehreren Jahrzehnten im Einsatz befindliche  Stadtbusse  samt Fahrer mit laufenden Motoren vor unserem Hotel, um uns zwei Stunden vor Gottesdienstbeginn für eine ca. 10km lange Strecke abzuholen;  abends ging’s auf dem gleichen Weg wieder zurück,  und schon allein das Finden des richtigen Busses  sowie die gemächliche, zockelnde Fahrt  führten zu Begegnungen, unerwarteten Treffen mit alten Bekannten, Gesprächen und manchem Lachen. Christinas persönlicher Missionseinsatz zur Bewahrung der Schöpfung, der darin bestand, jeden einzelnen der Busfahrer immer wieder mit freundlichen Worten zum Abschalten des Motors während des Wartens zu bewegen,  war zu mindestens manchmal erfolgreich...
 

 

...Gemeinsam feierten wir morgens und abends zweistündige Gottesdienste bzw. Bibelarbeiten, und besonders das gemeinsame Singen und Musizieren hat uns begeistert. Im Gegensatz zu früheren Weltkonferenzen gab es diesmal keine von nur einem Kontinent vorbereiteten Gottesdienste, sondern es wirkten jeweils Menschen aus verschiedenen Ländern mit. Eine riesige, manchmal auch überraschende Vielfalt: wusstet Ihr z.B., dass es auch in Kuba oder China Mennoniten gibt? Oder dass die Harfe ein in Paraguay sehr beliebtes Instrument ist? So stimmte uns am ersten Abend ein mitreißendes Harfenorchester mit südamerikanischen Klängen ein, die Chöre aus Kongo oder Zimbabwe brachten alle in Bewegung, wir sangen unter der Leitung eines internationalen Musikteams alte und neue Lieder oder hörten wunderbare Chöre, wie den Schweizer Chor,...:  Mendelsohns „Hör mein Bitten“  mit einer hervorragenden Sopranistin rührte uns zutiefst.

 

 

Nicht nur in der Musik, sondern auch in der  Bibelarbeit und den Predigten kam die bunte Vielfalt unserer mennonitischen Welt zum Ausdruck, und wir weiße europäische oder nordamerikanische Mennoniten sind da eindeutig  in der Minderheit. Wir hörten viele Bibelauslegungen und noch mehr Lobpreis  zu den Themen „Der Weg Jesu Christi“, „Eins werden in Christus“, „Verbunden in Christus“ ,  „Dienen wie Christus“ und „Miteinander weitergehen auf dem Weg Jesu Christi“, aber wenn es um die konkrete Umsetzung, um Beispiele aus unserem bzw. für unser Leben ging,  blieben manche  Rednerinnen und Redner eine Antwort schuldig. Uns und anderen war das insgesamt zu viel Pfingsten und zu wenig Bergpredigt.

Dafür gab es nachmittags viele Angebote für jung und alt, das „Dienen“ bei Arbeitseinsätzen praktisch einzuüben:   mit einigen anderen Freiwilligen strich Elisa z.B. eine Kirche von außen.

Ein Höhepunkt   der Woche war der Abendmahlsgottesdienst am Samstagabend mit einer Predigt von Danisa Ndlovu aus Zimbabwe, dem neuen Präsidenten der MWK. Der „Große Chor aus Paraguay“, ein extra für die Weltkonferenz gebildeter Chor aus acht Ethnien und drei Kulturkreisen (Mennoniten aus dem Chaco, Latino-Paraguayer und Indigene) sang die Missa Criolla, ein beeindruckendes Erlebnis für Ausführende und Zuhörende. Das Teilen von Brot und Wein mit so vielen unterschiedlichen Menschen aus aller Welt in einer sehr würdevollen Atmosphäre, ein Vorgeschmack auf den Himmel?

Gemeinsam unterwegs waren wir dann auch im Anschluss an die Vollversammlung, denn mit drei großen Reisebussen ging es für drei Tage und zwei Nächte in den Gran Chaco, die Trockensavanne. Jeder Bus bekam eine der drei Kolonien Menno, Fernheim bzw. Neuland als „Heimathafen“ zugewiesen, wo wir dann privat untergebracht wurden und von wo aus wir auch die beiden anderen Kolonien besuchten. Wir haben es genossen, dass mit dem Abschlussgottesdienst die Konferenz nicht einfach vorbei war, sondern wir noch drei Tage länger die Gemeinschaft mit unseren Brüdern und Schwestern aus aller Welt genießen konnten. Es war schön und sehr anregend,  sich im Bus immer wieder austauschen zu können über alles Gesehene und Erlebte, und das gab es nicht zu knapp.  Man hatte für uns ein hochinteressantes und volles Programm vorbereitet, wir hörten Vorträge zur Geschichte der Kolonien, besichtigten Molkereien und Erdnussfabriken, Krankenhäuser und Schulen, wir wurden bestens  verpflegt und von unseren sehr offenen Gastgebern richtig verwöhnt. Eine Superidee, diese „verstreute Konferenz“:  wir erlebten Gemeinschaft mit  Mennoniten im Chaco, die auf den ersten Blick so ganz anders leben als wir, fragten uns gegenseitig Löcher in den Bauch, nahmen viele Bilder und Eindrücke in uns auf  und „überlebten“ einen handfesten Sandsturm.  



 

Die Leistung der Siedler aus Kanada, Russland und der Ukraine, die in nur 70 Jahren die „grüne Hölle“ in einen fruchtbaren Landstrich mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen Paraguays verwandelt haben, die sich genossenschaftlich organsierten und für Bildung, Gesundheit und Arbeit nicht nur für sich selber, sondern auch für die indianische Bevölkerung sorgten, hat uns sehr beeindruckt.

Wir hörten aber auch von den Problemen, die sich aus diesem relativen Wohlstand ergeben, von der großen Anziehungskraft, die das „mennonitische Modell“ z.B. auf Indianer und arbeitsuchende Latino-Paraguayer ausübt, von Konflikten, die sich aus den unterschiedlichen Mentalitäten ergeben und davon, dass es für die Mennoniten nicht mehr möglich ist, als „die Stillen im Lande“ ruhig vor sich hinzuleben. Es kommen immer mehr Anfragen von außen, von Politikern z.B., sich mehr einzubringen in das öffentliche Leben Paraguays, die Korruption im Land nicht nur zu kritisieren, sondern aktiv  zu bekämpfen.  Und einige haben die Herausforderung angenommen und wurden Wirtschaftsberater und sogar Finanzminister in der letzten Regierung, was unter den Mennoniten sehr kontrovers diskutiert wurde. Auch die Weltkonferenz hat die Mennoniten im Land bekannter gemacht, als es manchen recht ist.

Wir drei sind froh und dankbar und um viele Erfahrungen reicher nach Aachen zurück gekehrt und hoffen, dass wir Euch daran ein bisschen teilhaben lassen können.

Ñandejara tanderovasá! (Gott segne Euch auf Guaraní, der neben Spanisch zweiten offiziellen Sprache Paraguays)
 

Christina, Christoph und Elisa                                                                

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