
Am 11.Juli 2010 fuhr eine kleine Gruppe aus unserer Gemeinde zur Andacht der Quäker nach Heidelberg – ein Angebot im Rahmen des Jahresthemas „Zeit für Stille“. In einem Jugendraum mit Gymnastikgeräten im Keller eines katholischen Kirchenzentrums trafen wir auf etwa 20 Personen aus der näheren und weiteren Umgebung. Diese Quäker, die sich „Freunde“ und nicht „Gemeinde“ nennen, treffen sich dort zwei Mal monatlich zur „Stillen Andacht“. Nach einem freundlichen Empfang mit Getränken gab es für uns eine kurze Vorstellungsrunde. Dann begann die Andacht, im Kreis um eine Kerze und um ein Textbuch sitzend, indem die Vorsitzende, eine jüngere Frau, eine knappe Einführung in die „Stille Andacht“ gab: Schweigend sitzen und auf „das von Gott in uns“ horchen. Jeder, der sich gedrängt fühlt, eine Botschaft weiterzugeben, kann das danach tun, - es gibt keine Diskussion darüber.

Die Quäker glauben, dass in jedem Menschen etwas von Gott ist, etwas, das manche „das innere Licht“ nennen; dass in jedem von uns sein Geist wirkt und dass jeder fähig ist, seinen Anruf zu vernehmen. Insbesondere erfahren sie im gemeinsamen Schweigen immer wieder die Erfüllung der Verheißung: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“ Durch die Gemeinschaft mit anderen Menschen, die wie sie suchen, lauschen oder beten, werden sie gestärkt, und sie erkennen in ihnen das Ewige. Zum Abschluss der Andacht reichten wir uns alle die Hände.

Wir waren dann noch zu einem
Stehcafé eingeladen, in einer Runde um einen großen Tisch sitzend,
um unsere Fragen zu stellen.
Unsere Eindrücke:
• Fünfzig Minuten sitzen, ohne zu sprechen, kam uns sehr lange vor.
• Keine Predigt, keine Lieder, keine Musik, keine Gebete – das
erschien uns karg, bescheiden und gewöhnungsbedürftig. Alles ist
reduziert auf einen selbst und auf die Stille.
• Ein Gemeindeleben, wie wir es kennen, führen sie nicht. In ganz
Deutschland gibt es ungefähr 300 Quäker, also genau so viele wie wir
in unserer Gemeinde. Welche Art von Gemeinschaft können sie bei
dieser kleinen Zahl und den großen Entfernungen im Alltag leben?
• Wir haben uns auch gefragt, wo geschieht das Lesen in der Bibel,
da sie „im Geiste Jesu leben“ wollen?
• Es herrschte eine angenehme, zugewandte, offene Atmosphäre, die
Gruppe war sehr interessiert an unserem Gemeindeleben. Es gibt
Berührungspunkte über die Friedensarbeit und „Church and Peace“.
Nach einem herzlichen Abschied fuhren wir wieder nach Hause.
Last Update
18.09.2010
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