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Mennonitengemeinde Weierhof
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Seniorenausflug 22. Juli 2009

Gemeinde unterwegs


 

Das gemeinsame Singen vor der Abfahrt beim Gemeindehaus hatte bereits Spuren in mir gelegt und meine Bewunderung für die Teilnehmer/innen, die den steilen Aufstieg zur Ruine zügig und flott bewältigt hatten, war schon in meinem Gedächtnis verankert. Die ersten Bilder von konzentriert zuhörenden Gesichtern hatte meine Kamera gespeichert. Den Worten von Frau von Racknitz, welche die Gruppe durch die Ruine führte, hatte ich zwar gelauscht, mir aber noch nichts Wesentliches gemerkt – zu sehr war ich gefangen von der Atmosphäre, welche in der Reisegruppe herrschte.

 

Wenn ich nun aber meinem Auftrag von Gerhard gerecht werden wollte, müsste ich ab jetzt besser aufpassen, denn ein Reisebericht bedeutet doch: chronologisch aufzählen, welche Stationen die Reise beinhaltet hat, berichten, was die Inhalte dieser Stationen waren. Oder?

Soviel ist zu sagen: Frau von Racknitz erzählte eindrücklich, interessant, machte den Rundgang durch die Ruinen zu einer spannenden Reise in die Vergangenheit. Die Hildegardiskapelle, das Museum – eine Reise wert! Das Café in Bad Kreuznach ist empfehlenswert, aber für den geplanten Spaziergang durch die Kuranlagen reichte die Zeit nicht mehr.
Aus meiner Sicht waren die eindrucksvollen Stationen des Ausfluges der passende Rahmen für das Eigentliche: gemeinsam unterwegs sein!

Durchgängig fand Unterhaltung und Austausch statt, mal tippte die eine dem anderen auf die Schulter, mal Gelächter in kleiner Gruppe, mal ein fürsorglicher Blick mit hilfreich dargebotener Hand. Dieses Gemeinsam-Gemeinschaftliche spiegelte sich auch in der Andacht auf dem Disibodenberg wider: die Gruppe saß im Halbkreis auf den alten Steinen der Ruine und Hildegard Wiedemann gab uns Denk-Anstöße, geleitet durch eine Meditation über Steine. Der Stein, der dann von Hand zu Hand ging, gab Raum, den jeweiligen eigenen Gedanken und Erinnerungen Ausdruck zu verleihen: der Stein auf dem Schreibtisch, gekennzeichnet mit einem besonderen Datum; der Stein, in den die Tochter Geburts- und Todestag des geliebten Hundes einmeißelt und so Trauer verarbeitet; Steine auf dem Feld, über die der Pflug gehoben werden muss und: Gott als Steinmetz. Was mich in dieser Runde beeindruckte, war die Ausdrucksform, mit welcher dieser Stein herum gereicht wurde. Die gegenseitige Teilnahme war da, egal, ob jemand den Stein kurz in der Hand hielt und dann schweigend weiterreichte oder ob Worte gesprochen wurden.
Der Abschluss an der Beller Kirche hätte schöner nicht sein können: in dieser Ruine probte gerade ein junges Paar auf mittelalterlichen Musikinstrumenten, als wir ankamen. Die beiden stellten uns die Instrumente vor, spielten und sangen alte Weisen für uns.

Und auch hier zeigte sich wieder das selbstverständliche Miteinander: sich gemeinsam einfangen lassen von der Atmosphäre der alten Lieder und Instrumente, gesungen und gespielt von zwei Menschen in einer Ruine, durch deren Spitzbogenfenster die letzten Sonnenstrahlen fallen.
Und als Krönung das gemeinsame Singen von „Keiner schöner Land“, begleitet von Hans-Walter Barth mit seinem Schifferklavier und den Instrumenten der beiden jungen Leute.

Ich kam als „Externe“; binnen kürzester Zeit fühlte ich mich als Teil der Gruppe. Und ich denke: älter werden im Kreis von Menschen, die nach meiner Wahrnehmung nicht einfach nur zufällig zur gleichen Gemeinde gehören, sondern ihrer Gemeindezugehörigkeit durch gemeinsames Tun Ausdruck verleihen, muss doch dem Älterwerden eine eigene Qualität geben.

M. Klassen (Seniorenbeauftragte der ASM)

 

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