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Mennonitengemeinde Weierhof
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Liebe Leserinnen und liebe Leser,

 

„Ich kann dieses Jahr auf keinen Fall Advents- und Weihnachtslieder singen! Von wegen Freude und Hallelujah – das geht jetzt nicht.“ Diese Sätze von der jungen Frau gingen mir lange nicht aus dem Kopf. Sie war schon mehrere Monate krank und sah nicht optimistisch in die Zukunft.

Mir fielen eine ganze Reihe Adventslieder ein. Aber mir fiel auch auf, dass die meisten gar nicht so voller Freude, sondern eher in Moll gehalten sind. Es ist sogar richtig schwierig, betont optimistische Adventslieder in unserem Gesangbuch zu finden.

Damit stellt sich die Frage, ob die Vorweihnachtszeit überhaupt optimistisch sein muss. Wenn ich mich so umsehe: Es fängt doch schon wieder an besonders hektisch zu werden. Kein Wunder. Der Dezember ist ja auch der kürzeste Monat im Jahr. Er hat eigentlich nur 23 Tage. Und da muss alles und noch mehr als sonst hinein gestopft werden.

Wie gut wäre es, wenn uns da hinein ein Impuls von Gott treffen würde! Ein Bibelwort fällt mir ein. Jesus zitiert es aus dem alten Buch des Propheten Jesaja und bezieht es auf sich:

 

„Der Geist des Herrn ruht auf mir. Denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, dass ich den Armen eine gute Nachricht bringe, damit ich den Gefangenen die Freiheit verkünde und den Blinden das Augenlicht. Damit ich die Zerschlagenen frei lasse und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lukas 4,18+19)

 

Das hört sich nicht verhalten, sondern fast ein bisschen vollmundig an: Arme, die was Gutes zu hören bekommen, freie Gefangene und Blinde, die sehen. Schön wär’s! Dann könnte man so richtig beeindruckende Adventslieder singen. Tatsache ist, dass Jesus durchaus nicht alle hungrigen Mäuler stopfte. Und er ließ Gefangene nicht frei, sondern wurde selber einer. Viele Kranke blieben krank.

Aber: Er heilte einzelne und gab ihnen Hoffnung. Nicht alle folgten seiner guten Nachricht, aber die mit ihm gingen, denen widmete er sich aufmerksam. Sein ganzes Leben war nicht ein frohes Fest, aber er feierte immer wieder mit den unterschiedlichsten Menschen. Das ist wie mit den Adventsliedern: Nicht nur Freude und Hallelujah, sondern etwas verhalten und in Moll. Aber durchaus mit Hoffnungszeichen. Zeichen für eine neue Welt, mit der Jesus schon anfing. In ihrer Vollkommenheit warten wie noch auf sie. Aber angefangen hat sie schon.

 

Jesus ruft – bis zu uns heute – Menschen zu sich, die an der neuen Welt Gottes mitwirken. Mit seiner Hilfe. Hier und da wird etwas sichtbar davon, dass die Nachricht, die wir mit anderen teilen, gut ist. Wir können Menschen Türen öffnen. Wir dürfen um Heilung bitten. Das alles muss nicht spektakulär sein. Das war es eigentlich doch auch nicht bei Jesus. Wenn wir bedenken, dass er nur wenige Jahre in einem unbedeutenden Land wirkte. Das hielt ihn aber nicht davon ab, Hoffnungsbilder zu malen und auch danach zu handeln. Er wusste, dass Gott etwas daraus wachsen lassen würde.

Und so singe ich weiter Adventslieder, auch dieses Jahr. Etwas verhalten vielleicht, aber immer wieder. Mit herzlichen Grüßen für die Advents- und Weihnachtszeit!

 

Ihre und eure Carmen Rossol

 

 

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