„Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“, Offenbarung 21,5
Was für eine Offenbarung der Hoffnung!
Wenn Menschen sprechen „Siehe, ich (wir) mache(n) alles neu“ dann gibt es oft Veränderungen, aber schon bald entstehen die alten Zustände und Strukturen unter neuen Namen und mit (manchmal) neuer Besetzung. Bei Revolutionen werden die Plätze an der Macht von Neuen übernommen, Besitz und Kapital wird (manchmal) neu verteilt und es gibt sicher Versuche, gerechtere Strukturen zu installieren, je nachdem wie „gerecht“ dann gerade verstanden wird. Aber bald stellen sich die „üblichen“ Verhältnisse wieder ein, wie wir sie alle kennen und es entsteht wieder Leid, Unrecht und Unterdrückung.
Sehr treffend charakterisiert das ein in den Evangelien überliefertes Jesuswort: „Ihr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre Völker unterdrücken und die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen.“ (Markus 10,41) Eine hellsichtige Äußerung über die Systeme durch alle Zeiten hindurch, gültig für flache und steile Hierarchien und alle dazwischen.
Was für eine Hoffnung, nicht Menschen, sondern Gott sagen zu hören „Seht, ich mache alles neu“. Geht da vielleicht doch etwas?
Im Vers vor diesem Versprechen wird das Neue so charakterisiert: „Gott wird alle Tränen von den Augen der Menschen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.“ (Offenbarung 21,4)
Was für eine Hoffnung. Veränderung, die allen zugutekommt und nicht wieder ein neues Oben und ein neues Unten installiert. Keine neuen Machthaber, weder erkennbare Despoten noch solche „auf Augenhöhe“. Keine Trauer mehr, weil es nichts mehr zu betrauern gibt, weder Abschiede noch Scheitern. Keine Klage mehr, weil sie nicht mehr nötig sein wird. Es wird Gerechtigkeit für alle geben. Und keine Mühsal mehr, kein Überlebenskampf.
Da fällt mir auf: Es wird dann wohl auch keine Menschen mehr geben, die anderen die Tränen in die Augen treiben mit ihrer Gewalt, ihrer Boshaftigkeit und Ungerechtigkeit. Kein Platz mehr für Menschen, die anderen das Leben zur Last machen, sie unterdrücken und übervorteilen.
Wo die dann wohl alle sind?
Vielleicht kann man schon in der Zeit, in der Gott noch nicht alles neu gemacht hat, ein wenig, hin und wieder, manchmal darauf verzichten, selbst Urheber von Tod, Trauer, Klage und Mühsal zu sein?
Es wäre noch nicht alles neu. Aber vieles schöner und leichter und tatsächlich friedlicher.
Ein gutes neues Jahr.
Volkmar Schuster